Betrachtung der bestimmenden Eigenschaft des Omnitisches

von Martin Ritzinger, 18. 9. 2017, Teil von „First in a Series of Architectonic Objetcs: The Table“, veröffentlicht von Prof. Vera Buehlmann, TU Wien, http://www.attp.tuwien.ac.at

In n  Dimensionen sei der Omnitisch gegliedert. n Eigenschaften besitzt er daher.

Zur Erläuterung des abstrakten n-dimensionalen Kontextes, sei seine Oberfläche eine Euklidische Fläche mit n = 2 Dimensionen. So würde dies einem von Menschenhand erzeugbaren Tisch, dessen zweidimensionale Oberfläche sich in der dritten räumlichen Dimension befinden würde, entsprechen.

In einer n-dimensionalen Welt sei n eine nichtnegative Zahl, wobei über ihre Zugehörigkeit zu einem bestimmten Zahlkörper weiter nichts bekannt ist. In einem beliebig mächtigen Zahlkörper sind zwischen zwei konkreten Bereichen oder Eigenschaften des Tisches unendlich viele weitere Bereiche oder Eigenschaften erlebbar. Situiert in der nicht notwendigerweise ganzzahligen Dimension n umfasst die Welt zwischen nn Tischoberflächenfeldern oder Eigenschaften eine kontextabhängige Unendlichkeit an Eigenschaften. Diese Unendlichkeit ist ohne zusätzliches Wissen über den umgebenden Zahlkörper nicht erörterbar. Es genügt, sich vorzustellen, dass jeder räumliche Bereich, jede Eigenschaft, ziemlich viele (unendlich viele) räumliche Bereiche oder Eigenschaften umgibt und definiert.

Grundlegender Unterschied zwischen einem beliebigen nn-dimensionalen Tisch und einem nn-dimensionalen Omnitisch ist, dass dessen endlich oder unendlich viele Eigenschaften aus Variationen eines einzigen Themas bestehen. Man stelle sich vor, man würde einen benachbarten Bereich, eine benachbarte Eigenschaft, mit dem Wissen um den momentanen eigenen Aufenthaltsbereich der Tischoberfläche, die momentan erlebbare Eigenschaft, betrachten. Der Nachbarbereich würde sich in nur einem Aspekt zum momentanen Aufenthaltsbereich unterscheiden. Die Differenz wäre unendlich klein und unendlich vielfältig. Die Differenz der Eigenschaften wäre auch unendlich signifikant, denn der Omnitisch besteht aus allen möglichen Variationen einer erforschbaren übergeordneten Eigenschaft, einer abstrakteren Bereichsart, die genau eine Dimension höher gelagert ist. Zur Veranschaulichung wäre ein zweidimensionaler Raumbereich ein Rechteck der euklidischen Fläche oder eine Eigenschaft eine Farbe in einem unendlich vielfältigen Farbspektrum.

Der Erforscher des Omnitisches ist eingeladen, sich seinen eigenen Omnitisch als ein Spektrum aller möglichen sich nicht wiederholenden Variationen der einzigen Eigenschaft des Tisches vorzustellen. Der Omnitisch ist die pure alles umfassende Vielfalt, sich nicht überlagernder Variationen. Es ist der Schreibtisch aller möglichen Anordnungen der Gegenstände des Schreibers, alle möglichen Varianten des aktuellen Schriftstückes inklusive. Er ist die Tafel aller denkbaren Speisen, die Vielfalt aller Suppen. Der Omnitisch eines Architekten sei die unendliche Vielfalt aller Variationen eines Entwurfes. Der architektonische eine Dimension höher gelagerte Omnitisch ist die Vielfalt aller möglichen Varianten an Ideen und Projekten dieses Architekten. Dimensional noch höher situiert findet sich der Omnitisch, auf dem alle Variationen des Architekturbegriffes Gestalt annehmen.

Nun, für welchen Architekturbegriff, für welche Entwurfsvariation mag sich der Architekt entscheiden? Jede andere Variation des tisch-spezifischen Themas ist als ähnlich relevant zu sehen, denn sie existieren nebeneinander. Innerhalb einer Dimension passiert nur pures paralleles Vorhandensein. Urteile sind Varianten höher-dimensionaler Kontexte. Eine Vorliebe für eine Variante – eines Entwurfes, einer Entwurfsmethode, einer Architekturströmung – ist eine Folge der Eigenschaften des Omnitisches nächst-höherer Dimension. Es ist die Einbettung in die unendlich vielen statischen oder dynamischen Varianten des das Subjekt umgebenden Kontextes.

Für welche Buchstabenkombination, für welche Suppe, für welchen Architekturentwurf man sich auf seinem persönlichen Omnitisch auch entscheidet, es ist eine Möglichkeit, nicht mehr und nicht weniger. Jedoch zeigt sie sich aus unendlich vielen Eigenschaften bestehend, wenn man genauer hinsieht. Sie auch ist eingebettet in zu erforschende Kontexte. Die gewählte Variante liegt – zweidimensional gesehen – horizontal zwischen Variationen des eigenen Themas. Sie liegt, vertikal gesehen, unterhalb einer Variante ihres bestimmenden abstrakteren Kontextes. Die höheren Kontexte sind sind jene, die man durch Abstraktion betrachten und beeinflussen kann. Ebenso liegt jede gewählte Variante oberhalb einer Unendlichkeit an omnigraphischen Kontexten, die diese Variante ausmachen und die von ihr bestimmt werden. Es sind die Kontexte, die man unausweichlich konkret erschafft und beeinflusst.

Die Welt der Menschen ist eine durch die Differenz nebeneinander existierender Variationen vielfältiger Abstraktionsstufen charakterisierte Welt.