
25€
(ohne Versandkosten)
Veröffentlicht am 18. Juli 2025, im Eigenverlag
74 Seiten Inhalt, DIN A5, 120g/m2 Munkenpapier, Softcover, Taschenbuchbindung, plastikfrei
ISBN: 978-3-200-10616-1
Erhältlich bei Besuch in meinem Atelier in Wien Meidling – um Terminanfrage per E-Mail wird gebeten: info [ at ] martinritzinger . com
Alternativ erhältlich per Post inklusive Versandkosten um 28€ innerhalb Österreichs.
Inhalt
- Vorwort
- Bauteilgespräche 1
- Zum Träumen zu Gast
- Die erste Baumeisterin
- Entmenschlichungen
- Gewicht und Gegengewicht
- Vorstellung der Notation der Eigenkontextuellen Architektur-Symbol-Sequenzen (EKASS)
- Tabelle der EKASS-Symbole
- Beispiel: EKASS-1-Notation
- Beispiel: EKASS-1-Übersetzung
- Der Kosmonaut (Gastbeitrag von Harald Trapp)
- Im Bau (Gastbeitrag von Charlotte Aurich)
- Über die Gastautoren
- Über den Autor
Leseproben
Kapitel Zum Träumen zu Gast
Ich spüre, dass Olinerva Madamernth auf meiner Ebene des Anfangs einigermaßen mittig stehend eben diese Ebene mustert. Olinervas Blick ist auf eine Architektur, die nach Eintritt eine Wendung nach links erzwingt, gelenkt. Noch wartet sie etwa in der Mitte meiner Anfangsebene, wendet den Kopf aber kurz leicht nach rechts. Anschließend dreht sie ihren ganzen Körper am Stand nach rechts, mustert nur kurz diese von Nebelschwaden bewohnte Blickrichtung, macht am Stand einen Drehschritt abermals nach rechts und schaut jetzt in die entgegengesetzte Richtung der nach links zwingenden Architektur. In Opposition zu diesem baulichen Zwang erkennt Olinerva eine für sie unbeschreibbar große Wasserfläche, die momentan ruhig, unter einem wenig dichten Nebelmeer in der jenseitigen Nacht sich zur Ruhe begibt. Eine weitere Drehung nach rechts, eine steile Schlucht und einen ihr eingebetteten, stürzenden Fluß, der in die Ebene meines Anfangs unter Olinervas Füßen entspringt, ängstlich sehend, aufmerksam hörend, die Gischt des Flusses fröstelnd fühlend, dreht sich Olinerva rasch zum Bau des Zwangs, läuft hin und zwingt sich durch ein Loch in eine von Menschenhand errichtete Wand.
Olinerva Madamernth, noch kürzlich auf den linken Weg in mir gelenkt, tapst sich geräuschlos über eine ebene Fläche in meinem Inneren. Sie sieht keine weiteren Themen meines Baus – weder Wand, noch Öffnung. Einzig das einströmende Mondlicht der seeseitig heranfliegenden Nacht umhüllt sie eng. Mit dem Eingangsloch hinter sich rechts, also durch das von Wänden erzwungene Links, tastet sie sich auf leisen Sohlen meinem dunklen Herz entgegen. Bis die Vorhut ihrer Nasenspitze an kaltes, feuchtes Glas stößt. Sie begreift eine Türe aus Glas, greifend nach dem Türknauf in Höhe ihrer Hüfte. Aber die Glastüre ist verschlossen oder zumindest nicht von diesem Raum her öffenbar.
Olinerva untersucht meinen dunklen Raum. Ihr scheint, dass außer der verschlossenen Glastüre nur das Loch, durch das sie von meiner Ebene des Anfangs her eingetreten ist, aus diesem Raum herausführt. Sie macht kehrt, wird durch die ihr bereits bekannte Wand – diesmal nach rechts – in Richtung Einstiegsloch gezwungen und klettert durch die Lochtüre ins Freie auf die Ebene meines Anfangs.
(…)
“Ich grüße dich, Olinerva Madamernth!”, raunt eine sanfte Stimme, die mich immer an einen erfrischenden und zunehmend lange erwarteten sommerlichen Wolkenbruch erinnert.
“Wer bist du?”, entgegnet Olinerva. “Und wo bist du in dieser Dunkelheit?”
“Mein Name ist Walthram Rahmenbert und ich bin ein Fenster. Noch bin ich unsichtbar für dich, weil der Vorhang zugezogen ist.“, antwortet die erfrischende Stimme.
Plötzlich, daher unerwartet, drückt sich ein untragbar schwerer Stoff in Olinervas Gesicht. Aus Selbstschutz ergreift sie den Stoff, versucht ihn von sich zu drücken, wird von ihm umgarnt, eingewickelt und in neues Licht entführt. Eingepackt in den Stoffmantel, bestimmt dieser gewichtig, wie die Hand eines Riesengeschöpfes auf ihren Schultern, ihre Körperhaltung und ihre Blickrichtung. Olinerva Madamernth fühlt sich von dem schweren Vorhang bedrängt. Nach den nassen Momenten auf der Ebene meines Anfangs, den erzwungenen Weg-Änderungen, nach dem aussichtslosen Blick empor in den Lichtturm und vor allem nach dem erschütternden Durchleben meiner eigenen Lebensmauer, spendet die willkommen-heißende Stimme des Fensters Olinerva einen Ausblick auf Bekanntes.
Kapitel Entmenschlichungen
Es betritt zur Redezeit den Redeort der Vorhang Amalius Gree. Seine nun folgende Rede ist gerichtet an die versammelten Räume, die Martin Ritzingers Kosmos-Architektur bewohnen.
Geschätzte Miträuminnen und Miträume!
Aus tiefster Sorge und doch voll glühender Hoffnung spreche ich heute zu euch. Wie ich vernommen habe, hat sich bereits herumgesprochen, dass unsere Welt vor kurzem das Eindringen eines Menschen erlitt. Nun ist der Kontakt von uns Räumen mit Menschen für uns nichts gänzlich Neues. Ich werde in dieser Rede die möglichen Gefahren des Eindringens durch weitere Menschen vom Hangpunkt eines Vorhangs erläutern. Jedoch ist es mir ein Anliegen, realistische Bilder einer wohl gedeihenden Kultur der Nutzung von uns Räumen durch einen oder sogar mehrere Menschen mit Worten zu skizzieren.
