Die folgenden beiden Arbeiten (Text und Bild) wurden von mir parallel zueinander und basierend auf derselben Architektur-Symbolsammlung (EKAS 1) geschaffen. Diese finden Sie unter: https://martinritzinger.com/2021/04/12/ekas-1/ . Der Aufbau des Textes „Zum Träumen zu Gast“ folgt zusätzlich der Eigenkontextuellen Architektursequenz 7: https://martinritzinger.com/2024/11/17/eigenkontextuelle-architektursequenz-7/ . Eine Erklärung der Systematik der Eigenkontextuellen Architektursequenzen finden Sie hier: https://martinritzinger.com/eigenkontextuelle-architektursequenzen/ .
Zum Träumen zu Gast
Textauszug, Arbeitstitel: Eigenkontextuelle Architektursequenzen 1.3 & 7.1, Martin Ritzinger, 2024 – 2025
Schweigend bewegt Olinerva ihre linke Hand in die vermeintliche Fensterebene. Sie nimmt auch die rechte Hand zu hilfe, spannt in der Ebene der Fensterlaibung ein Rechteck mit der linken Hand links unten, den Daumen im rechten Winkel zu den Fingern abgebogen, gegengleich mit der rechten Hand die obere rechte Ecke eines vorgestellten Rechtecks bildend. Nun führt sie ihre Nasenspitze in die Ebene des aufgespannten Rechtecks in der Ebene des Fensterrahmens, hält die Nase kurz ruhig im Bereich der unteren Mitte des Rechtecks – etwas links der Mitte -, fährt die Nase in der Rechtecks-Ebene bis etwa zu einem Sechstel der Höhe des Rechtecks, dann ungefähr ein Zehntel der Breite des Rechtecks nach rechts und wieder ein Sechstel zur unteren Kante des Rechtecks. Olinerva erschuf soeben eine Türe im Raum jenseits des freundlichen Fensters.
Kaum dass die Türe als Polylinie aus drei Segmenten erbaut ist, erzittert die neue Türe, wackelt und öffnet sich schließlich brechend. Die untere Kante wurde von Olinervas Nase nicht zu Ende konstruiert. Durch die Gewalt des Öffnens der Türe entsteht in der Tür-Ebene zwischen Türe und Boden ein Riss, der nicht zögert, die Rechtecks-Ebene der Fensterscheibe zu verlassen. Erschrocken und doch zufrieden zieht Olinerva Madamernth ihre Nase aus der Fensterebene zurück.
“Alfred Pfannheuser, lieber Riss, wohin des Weges?”, gibt Olinerva dem Riss einen Namen.
“Servus, Olinerva! Ich will, oder besser gesagt: ich muss über fünf Falten den versteckten Geschwistern Sonne und Mond entgegen steigen, als Stiege.”, antwortet der Riss aus der Tür-Ebene höflich. “Mein neuer Name gefällt mir. Doch werde ich bald weitere Namen benötigen – für jede Faltung meiner Gestirns-Stiege einen.”
“Und brauchst du auch Podeste? Ich habe ein paar kleine Podeste bei mir.” empfiehlt sich Olinerva.
“Vielen Dank, aber du weißt ja: ich trage immer einen Vorrat an Podesten auf meiner kahlen Kopf-Ebene herum. Immer wenn ich an der Abtrittsstufe oben angekommen bin, neige ich mein Haupt und sogleich rutscht mir ein leicht behaartes Podest von meinem schütter behaarten Kopf. Ich lasse es dann freudig als neuen Nachbarn zur Abtrittsstufe hingleiten.”
“Na dann bau’ uns eine Stiege, Alfred!”, ermutigt Olinerva Madamernth den Riss, in der Laibung des netten Fensters lehnend und die Aussicht auf das Erbauen der fünf-faltigen Stiege in der fahl-erleuchteten und vermuteten Halle genießend.
Eigenkontextuelle Architektursequenzen 1.4

Dieses Bild basiert, ebenso wie der oben präsentierte Text „Zum Träumen zu Gast“ auf der Architektur-Symbol-Sammlung EKAS 1: https://martinritzinger.com/2021/04/12/ekas-1/.

