von Martin Ritzinger, Kurzgeschichte, Deutsch, Jänner 2026 (nicht veröffentlicht), 1618 Wörter, 11692 Zeichen (inkl. Leerzeichen)
Auszug:
Sonnenblumenwälder, Marienkäferfamilien, braune, graue und schwarze Nacktschnecken auf Hausbesichtigung, und Kieselsteine, die einen bunten Unordnungskontrast zu den ebenso kieselsteingrauen, geometrisch-schlichten Bodenmosaiken in den beiden Durchgängen zwischen Neubaugasse 17-19 und Ahornergasse 3 in Wien Neubau bildeten. Solche Bilder spielten sich in Christas Gedankentheater an vielen verregneten oder verschneiten Tagen in den 1960er-Jahren im siebten Wiener Gemeindebezirk ab. Mitten in ihrer prächtigen Vorstellungswelt aber, war sie über die Rechen-Hausaufgaben gebeugt, die Kinderaugen angehoben um aus dem Fenster die Sträucher und Bäume des Innenhofes nach Tierchen und Fabelwesen, vor allem nach den ersten Frühlingsboten abzusuchen.
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Durch ein fast gleichmäßiges Raster aus steigenden und fallenden Schneeflocken entdeckte Christa eine dunkelgraue Masse. In sich harmonierende Massenbegrenzungskurven schraubten sich etwas abseits der Hofmitte in die Höhe. Sie lagen am Kreuzungspunkt der flachen Hofstiege, der zu dieser Stiege parallel-liegenden Rampe und eines ebenen Querweges. Für Christa grollte die dunkle Kurvengestalt just an der Kreuzung von flacher Hofstiege, Rampe und querendem Weg in größter Intensität. Die Kurven der grauen Gestalt zerliefen zwischen den Wurzeln der Nadel- und Laubbäume des Innenhofs. Ebenso an der Kreuzung des flachen Weges wetteiferten das Zischen und das Krächzen, beide übertönt und scheinbar angefacht durch das zunehmende Grollen.
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